DIE BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN
Die einzelnen Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
Krankengymnastik ist das Um und Auf der Behandlung. Die Gelenke werden mobilisiert und bleiben gesund. Zusätzlich fördert Bewegung die Produktion von Endorphinen, den körpereigenen "Glückshormonen". Die Übungen dauern wenige Minuten und werden am besten morgens eingeplant, um die Steifigkeit zu vertreiben. Entscheidend für eine gute Prognose ist, auch während eines Schubes bei den Übungen zu bleiben.
Langfristig krankheitsmodifizierende Antirheumatika (LWAR, DMARD: Disease Modifying Antirheumatic Drugs) gelten als Basistherapie vieler rheumatischer Erkrankungen. Sie können die chronische Entzündung aufhalten bzw. verringern. Für Morbus Bechterew-Patienten können sie wirksam sein, wenn die Krankheit von Gelenksentzündungen außerhalb der Wirbelsäule begleitet wird.
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR, NSAID: Non-Steroidal Anti-Inflammatory Drugs) wirken rasch entzündungshemmend und schmerzlindernd. Sie blockieren Prostaglandine, die unter anderem die Empfindsamkeit der Schmerzrezeptoren steigern.
Cortison, Glukokortikoide, Steroide, Kortison: Vier Namen für ein und dieselbe Medikamentengruppe. Glukokortikoide gehören zu den wichtigsten Medikamenten für Morbus Bechterew-Patienten, da sie Entzündungen effizient hemmen können. Sie verlangsamen das Zellwachstum von Entzündungszellen und senken die Aktivität des Immunsystems. Kortison ist wegen der möglichen Nebenwirkungen allerdings nicht zur Langzeitbehandlung geeignet.
Als Biologicals (z.B. TNF-alpha-Hemmer) werden Medikamente einer neuen Substanzklasse bezeichnet, die direkt im Immunsystem ansetzen. Sie werden zur Behandlung von schweren Formen von Morbus Bechterew eingesetzt. Die meisten Biologicals neutralisieren oder blockieren den entzündungsfördernden Botenstoff TNF-alpha. Die Entzündungsinformation wird also nicht überbracht. Andere Biologicals verhindern die Aktivierung von Entzündungszellen des Immunsystems, den T-Zellen, oder richten sich gegen die so genannten B-Zellen, die ebenfalls am Entzündungsgeschehen beteiligt sind.
Schmerzmittel (Analgetika) lindern allein den Schmerz, manche haben zusätzlich entzündungshemmende Wirkung.
Wärme- und Kältetherapien haben in der Rheumatologie eine lange Tradition. Die Wärme fördert die Durchblutung, lindert Schmerzen und Steifigkeit. Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sprechen gut auf die entzündungshemmende Kältetherapie (Kryotherapie) an.
In Bergstollen haben Mediziner vor Jahrzehnten das radioaktive Edelgas Radon 222 entdeckt. Während mehrerer 20minütiger Sitzungen im Heilstollen gelangt das Gas in den Körper. Der Nutzen der Behandlung wird in Fachkreisen diskutiert, positive Patientenberichte sprechen dafür.
Radiumchlorid [224Ra] ist ein radioaktives Isotop, das eingesetzt wird, wenn die Behandlung mit herkömmlichen Medikamenten nicht ausreicht oder der Patient keinen der Wirkstoffe verträgt. Radium hemmt die Knochenneubildung, wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd – in der Regel für mehrere Jahre. Es wird in die Armvene injiziert und lagert sich fast ausschließlich im Skelett und in frischen Verkalkungen ein – dort, wo das krankhafte Geschehen stattfindet.
Operationen sind selten notwendig, in schweren Fällen allerdings unumgänglich. Am häufigsten sind Operationen, um ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk einzusetzen. Möglich ist auch eine Aufrichtungsoperation, wenn die Versteifung der Wirbelsäule ein normales Leben unmöglich macht.